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16.09.2019

Mitmach-Fest zum 100. Geburtstag

Rund 400 Volkshochschulen öffnen am 20. September 2019 ihre Türen. Es ist die größte Publikumsaktion in der Geschichte der Volkshochschulen.

100 Jahre Vhs
© Landkreis Ludwigslust-Parchim

Die Kreisvolkshochschule Ludwigslust-Parchim ist mit dabei und präsentiert am Freitag ab 16 Uhr ihre Geschichte und die ganze Bandbreite ihres aktuellen Programms mit einem bunten Treiben in ihren Seminarräumen, Gängen, dem Kreistagssaal und der Kantine am Standort Ludwigslust in der Garnisonsstraße 1. Mehr als dreißig engagierte Dozentinnen und Dozenten laden dazu ein, das vielfältige Kursangebot kennenzulernen. Vom Schneidern und Gemüse Schnitzen über den orientalischen Tanz und Heilyoga bis hin zum Porträt zeichnen und Sprachenlernen kann alles auch ohne Vorkenntnisse ausprobiert werden. Dafür, dass auch alle Kinder an diesem Spätnachmittag voll auf ihre Kosten kommen, sorgt das Team des Zebef Ludwigslust, einem der wichtigsten Kooperationspartner der hiesigen vhs.

Neben dem aktiven Tun und Entdecken möchte das Team der vhs anlässlich des runden Geburtstags aber auch in Erinnerungen schwelgen und die Historie Revue passieren lassen. Dafür steht ein Erzähl-Café bereit, in dem in gemütlicher Atmosphäre die eigenen Erfahrungen mit der vhs ausgetauscht und alte vhs-Bekanntschaften aufgefrischt werden können. Die Geschichte der Volkshochschulen in Mecklenburg-Vorpommern wird in Form einer Ausstellung auf zwölf Tafeln vorgestellt, die nächstes Jahr auch am Standort Parchim gezeigt werden sollen.

Mit der Feier ihres 100. Geburtstags verweist die Volkshochschule auf ihre demokratischen und partizipativen Wurzeln und bekennt sich zu einer gleichberechtigten Erwachsenenbildung, die, wie das Leitbild der Kreisvolkshochschule formuliert: „am Puls und Impuls des gesellschaftlichen Lebens ist und einen Mehrwert an Wissen, Können, Vergemeinschaftung und Werten erreicht“. Die Existenz und Förderung der Volksbildung war in der Weimarer Verfassung buchstäblich verankert, indem festgelegt wurde: „Das Volksbildungswesen, einschließlich der Volkshochschulen, soll von Reich, Ländern und Gemeinden gefördert werden.“ (Weimarer Reichsverfassung vom 11. August 1919, Artikel 148, Absatz 4)

Der Begriff „Volkshochschule“ hatte sich jedoch bereits im 19. Jahrhundert etabliert. Hintergrund war die Forderung des Bürgertums und der Arbeiterschaft nach Beteiligung an politischer Macht und als Voraussetzung dafür an allgemein zugänglicher Bildung. Bekannt sind aus dieser Zeit auch die Arbeiterbildungsvereine. Gleichzeitig entstanden auch viele andere, z. B. gewerkschaftliche oder kirchliche Bildungsträger, die ihre jeweils eigenen pädagogischen Ziele verfolgten. Die Volkshochschulen hatten im Gegensatz dazu von Beginn an einen überparteilichen Bildungsansatz, dem bis heute Folge geleistet wird.

Der aufklärerische Ansatz der Volkshochschulen ließ sich mit der nationalsozialistischen Herrschaft ab 1933 natürlich nicht vereinbaren, die aus den Volkshochschulen ideologische Volksbildungsstätten machte und massenweise die bisher dort tätigen Dozenten entließ. Gleich nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges konnten jedoch sowohl in der sowjetischen Besatzungszone als auch im Westen die Volkhochschulen ihren Dienst wieder aufnehmen; zunächst wiederum stark ideologisch gefärbt im Sinne der „Re-Education“ (im Westen) und der „antifaschistischen Bildungsarbeit“ (im Osten).

Die heutigen Volkshochschulen, und so auch die Kreisvolkshochschule Ludwigslust-Parchim, orientieren sich am Weimarer Ideal der überparteilichen Bildung. Sie bieten auch im Bereich der politischen Bildung einen großen Facettenreichtum an Themen und Inhalten. Damit fördern sie einen gleichberechtigten, demokratischen, vielstimmigen Diskurs und durch das gemeinsame Lernen ein friedliches Miteinander von Menschen unterschiedlichster sozialer und kultureller Herkunft.