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09.04.2020

Vier Wochen Corona-Krise: Die Drähte liefen heiß

Mehr als 1000 Anrufe pro Woche – die Teams der Telefon-Hotlines des Landkreises Ludwigslust-Parchim leisten wertvolle Hilfe

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Viel Arbeit an der Corona-Hotline. Cindy Klechowicz gehört zum Team des Bürgertelefons. © Landkreis Ludwigslust-Parchim

Kurz nach halb acht in Ludwigslust. Zusammentreffen der Mitarbeiter des Bürgertelefons 115 des Landkreises Ludwigslust-Parchim. Die Rechner werden hochgefahren, der Beamer läuft bereits. Gemeinsam schaut das Team das jüngste Video-Update von Landrat Stefan Sternberg. Bereiten sich auf den Telefondienst des Tages vor. Die Corona-Krise hat vieles verändert. So auch die Arbeit beim Bürgertelefon. Eine zusätzliche Hotline – mit der Nummer 03871 722-8800 – wurde eingerichtet. Weitere Mitarbeiter aus der Kreisverwaltung unterstützen, darunter Anwärterinnen und Anwärter wie auch Azubis.

Seit vier Wochen laufen hier die Drähte heiß. Die Bürgerinnen und Bürger des Landkreises Ludwigslust-Parchim haben Fragen – zu den Allgemeinverfügungen, Erlassen und Verordnungen. Mit Beginn der Einschränkungen des öffentlichen Lebens im Landkreis steigt auch die Frequenz an den Telefonen – in der ersten „Corona-Woche“ im Landkreis klingelte allein bei den Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der 8800-Hotline 933-mal das Telefon. „Mittlerweile sinkt das Aufkommen“, sagt Andreas Steuck aus dem Fachdienst Bürgerservice. „Wir merken aber, dass die Tendenz wieder steigt, wenn das Land Veränderungen erlässt. Dann haben die Bürgerinnen und Bürger wieder mehr Fragen“, so Andreas Steuck, der derzeit im Bürgertelefon Stefan Frisch, Fachgebietsleiter Servicecenter, unterstützt.

Auf Transparenz und einen direkten Draht kommt es an. Auch zur Stabsleitung. „Die Kolleginnen und Kollegen am Bürgertelefon halten uns den Rücken frei. Dafür ein riesiges Dankeschön“, sagt Jessica Markmann, Stabsleiterin sowie Fachdienstleiterin Brand- und Katastrophenschutz im Landkreis Ludwigslust-Parchim. Lobenswert findet Stabsleiter Andreas Scharfschwerdt, Fachdienstleiter Bürgerservice, den Einsatz aller an den Telefonen. „Ihr seid sehr wichtig für uns in der Krise“, sagt er. Gerade die Flexibilität der Kolleginnen und Kollegen sei wichtig – auch für den Einsatz im Katastrophenschutzstab, der freiwillig ist.

Zusätzliches Personal sitzt seit der Corona-Krise auch an der Behördennummer 115. Dort geht es um alle weiteren Verwaltungsthemen – von Abfallwirtschaft bis Zulassung von Fahrzeugen. „Gut 90 Prozent der Anrufer sind sehr freundlich“, erzählt Kim Schreiber. Eigentlich hätte die Auszubildende bis Anfang April Unterricht gehabt, unterstützt aber seit einigen Wochen die Behördennummer. „Einiges muss ich nachfragen, aber auch dafür haben die Anrufer Verständnis.“ Die Mehrheit sei einfach froh, überhaupt jemanden telefonisch zu erreichen.

Komplettiert werden die Landkreis-Hotlines auch mit der Telefonnummer der Wirtschaftsförderungsgesellschaft Südwestmecklenburg – ebenfalls mit einer eigens dafür eingerichteten Telefonnummer. Als die Landesregierung dem Milliarden-Rettungsschirm für die Wirtschaft zustimmte, klingelten die Telefone unentwegt. Fragen zu den Anträgen, zu den Formularen. Zusätzliches Personal wurde auch für die WiFöG-Hotline benötigt. Mittlerweile sind die ersten Anträge beim Landesförderinstitut eingegangen und bearbeitet – die Zahl der Anrufe geht zurück.

Besonderes Augenmerk legte Landrat Stefan Sternberg von Anbeginn der Corona-Krise auf Familien, auf Kinder und Jugendliche, auf Menschen, die zu Hause alleine sind. Gemeinsam mit Bauer Korl alias Jörg Klingohr wurde die „Lass-uns-reden“-Hotline eingerichtet. Im „Korl“-Center auf dem Golchener Hof sitzen Mitarbeiter des Hofes, Bürgermeisterinnen und Bürgermeister wie Leitende Verwaltungsbeamte; Landrat Stefan Sternberg selbst telefonierte mit Bürgerinnen und Bürgern des Landkreises. Teilweise haben ihm die Sorgen und Nöte den „Boden unter den Füßen weggerissen“. Um wirklich alle zu erreichen, geht einige Tage später auch die „Sorgen teilen – Wege finden“-Hotline an den Start. Diplompsychologe Jörg Klingohr kümmert sich persönlich um dieses Seelsorgetelefon. „Ich merke jetzt, je dichter wir an Ostern herankommen, desto mehr rufen am Seelsorgetelefon an“, erklärt der Golchener. Auch ihm fällt auf, dass vor allem bei Änderungen der Erlasse oder Verordnungen, die Frequenz der Anrufe wieder steigt.

Sein Fazit nach knapp vier Wochen fällt positiv aus: „Wir haben vor allem Anrufer, die vernünftige Fragen stellen, froh sind, mit jemandem telefonieren zu können. Nur wenige äußern ihren Unmut. Und: Die Mehrheit ist dankbar, dass wir ihnen auch in 90 Prozent der Fälle die Fragen beantworten können.“

Zwischen zwei bis drei Anrufe pro Tag nimmt Jörg Klingohr am Seelsorgetelefon entgegen. Aus Sicht des Diplompsychologen eine gute Quote. „Das sind viele Anrufe. Allein deshalb, weil es eine große Hürde ist für viele, überhaupt anzurufen bei so einer Hotline. In den Gesprächen geht es dann nicht nur um die Corona-Krise, sondern auch um die privaten Probleme, die es schon vorher gab.“ Jörg Klingohr fügt noch eins hinzu: „Die Seelsorge-Hotline wird auch über das Osterfest – auch am Wochenende – erreichbar sein.“

Landrat Stefan Sternberg zieht ebenfalls positive Bilanz. „Ich bin froh, dass unsere Hotlines so gut genutzt werden.“ Stolz und dankbar ist er seinem Team, den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern an den verschiedenen Hotlines.

Unterdessen klingelt erneut das Telefon an der Corona-Hotline. Es geht derzeit um die Reisebeschränkungen zu Ostern. Doch die Zahl der Anrufe hat abgenommen. Knapp 250 Anrufe haben die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der 8800-Hotline bis zur Mitte dieser Woche entgegengenommen. Gute Gespräche geführt. In Corona-Zeiten geht es menschlicher zu.