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12.05.2021

Zu viele Eichenprozessionsspinner-Nester

Landkreis Ludwigslust-Parchim und Landesbehörden planen Regulierungsmaßnahmen

Warnung vor dem Eichenprozessionsspinner
© Planet_fox / Pixabay

Der diesjährige Frühling war bislang eher ungemütlich: Erst war es kalt, dann windig und zeitweise verregnet. Nicht nur die Eichen hielten sich deshalb mit ihrem Blattaustrieb lange zurück. Mit den jetzt steigenden Temperaturen reagiert die Natur mit großen Schritten. Die Belaubung der Eichen und warmes, wind- und niederschlagsarmes Wetter sind zugleich die Grundvoraussetzungen für effektive Bekämpfungsmaßnahmen gegen den Eichenprozessionsspinner (EPS). Um diesen Nachtfalter war es im Landkreis Ludwigslust-Parchim nach 2015 ruhig geworden. Aufgrund der Massenvermehrung ab 2010 wurden in den Jahren 2012 bis 2015 teilweise noch umfangreiche Bekämpfungsmaßnahmen durchgeführt. Diese führten zu einem deutlichen Rückgang des EPS. Spätestens seit dem „Rekordsommer“ von 2018 erholte sich die wärmeliebende Art jedoch und an immer mehr Straßenabschnitten lassen sich deshalb die typischen Raupen-Nester in immer größerer Zahl finden. Nach enttäuschenden Versuchen, das Problem lokal durch das mechanische Entfernen der Raupen und Nester zu lösen, ist deshalb in diesem Jahr wieder ein umfangreicherer Biozid-Einsatz erforderlich. Auf Basis eines detaillierten Nester-Monitorings ist geplant, etwa 90 Kilometer stark befallener Allee-Abschnitte zu behandeln. Diese verteilen sich insbesondere im Bereich des Altkreises Ludwigslust. Eine Übersichtskarte finden Sie hier

Die geplanten Maßnahmen dienen der Abwehr gesundheitlicher Gefahren, die durch sogenannte Brennhaare ausgelöst werden können. Diese mikroskopisch kleinen Härchen werden von den Raupen ab dem dritten Stadium zu Hunderttausenden gebildet und können durch Wind mehrere hundert Meter weit verfrachtet werden. Die häufigsten Krankheitserscheinungen sind stark juckende allergische Haut-Reaktionen (Raupenhaar-Dermatitis) sowie Entzündungen der Augen/Bindehaut oder der oberen Atemwege. Schwere, teilweise lebensbedrohliche Reaktionen können bei besonders sensibilisierten Personen ebenfalls auftreten – sind jedoch sehr selten. Ähnlich wie bei Reaktionen auf Pollen, sind das Auftreten und die Schwere der Symptome individuell sehr unterschiedlich. Haustiere (Hunde, Pferde etc.) sind ebenso betroffen wie Menschen.

Die Behandlung wird mit dem Produkt Foray ES, einem biologischen Insektizid auf Basis eines Bodenbakteriums (Bacillus thuringiensis, Bt), erfolgen. Dieser Wirkstoff weist besonders wenige unerwünschte Nebenwirkungen auf und wird vom Umweltbundesamt für die EPS-Bekämpfung empfohlen. Er ist ungiftig für Menschen und andere Wirbeltiere und wirkt selektiv auf Schmetterlingsraupen. Bienen und andere Insekten sind deshalb nicht von dem Einsatz betroffen. Für eine möglichst effektive Behandlung wird das Biozid mit einem Hubschrauber ausgebracht. Dafür müssen die Straßenabschnitte für eine kurze Zeit vollständig gesperrt werden. Je nach Wetterlage wird der Einsatz zwischen Ende Mai und Anfang Juni an voraussichtlich zwei Tagen durchgeführt. In dieser Zeit muss im gesamten Einsatzgebiet mit entsprechenden Verkehrsbehinderungen gerechnet werden. Da optimale Einsatz-Bedingungen nur für weniger Tage zuverlässig vorhersagbar sind, kann der exakte Termin nur sehr kurzfristig bekanntgegeben werden.

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