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02.05.2020

Gemeinsames Gedenken und Erinnern

Am 2. Mai 1945 wurde das KZ Wöbbelin von US-Soldaten befreit. Ministerpräsidentin Manuela Schwesig, Rolf Christiansen, Vorsitzender des Vereins der Mahn- und Gedenkstätten, und Landrat Stefan Sternberg erinnerten an die Gräueltaten der Nationalsozialisten

2020-05-02 Gedenken zum 75. Jahrestag der Befreiung des KZ-Außenlagers Wöbbelin
An der Gedenkstätte am Platz des einstigen KZ-Außenlagers Wöbbelin gedachten heute, am 75. Jahrestag der Befreiung, Ministerpräsidentin Manuela Schwesig, Rolf Christiansen, Vorsitzender des Vereins der Mahn- und Gedenkstätten im Landkreis Ludwigslust-Parchim, und Landrat Stefan Sternberg der Opfer. Eine große Gedenkveranstaltung konnte diesmal wegen der Corona-Pandemie nicht stattfinden, wird aber im kommenden Jahr nachgeholt. © Philipp Eisermann

„Nur“ 79 Tage liegen zwischen dem 12. Februar und dem 2. Mai 1945. „Nur“ zehn Wochen existiert das KZ Wöbbelin als letztes Außenlager des KZ Neuengamme. 5000 Häftlinge aus 25 Nationen werden im KZ Wöbbelin untergebracht. Sie teilen sich eine einzige Wasserpumpe, leben in Steinbaracken ohne Glas in den Fenstern, liegen auf Bettgestellen aus Baumstämmen.  Mehr als 1000 sterben in den letzten Tagen des Zweiten Weltkrieges. Sie verhungern. Sie sterben krank und entkräftet. Die Waschbaracke im KZ Wöbbelin wird zur Aufbewahrung für die Leichen.

Vor 75 Jahren befreien am frühen Nachmittag des 2. Mai 1945 Soldaten der 82. US-Luftlandedivision und der 8. US-Infanteriedivision das Außenlager. Das Bild, das sich ihnen bietet, erschüttert und schockiert sie. Zivilisten aus den umliegenden Orten müssen das Lager besichtigen; Ludwigsluster werden beordert, die Leichen aus dem befreiten KZ-Außenlager Wöbbelin zu bergen. Die Leichen aus den Massengräbern werden exhumiert und bekommen auf Befehl der Amerikaner alle ein Einzelgrab. Sie werden in Ludwiglust zwischen Schloss und Stadtkirche, in Schwerin am heutigen Platz der Opfer des Faschismus, in Hagenow im Schützengarten und in Wöbbelin hinter dem Theodor-Körner-Museum bestattet. Bis heute sind diese Orte Ehrenfriedhöfe beziehungsweise Gedenkstätten.

Zum 75. Jahrestag der Befreiung des KZ-Außenlagers Wöbbelin hätte es eigentlich mehrere Veranstaltungen geben sollen: einen ökumenischen Gottesdienst in der Stadtkirche Ludwigslust mit Probst Dr. Georg Bergner und Bischof im Sprengel Mecklenburg und Pommern Tilman Jeremias, eine Gedenkveranstaltung an der Gedenkstätte ehemaliges Lagergelände des KZ Wöbbelin mit zahlreichen  Ehrengästen aus u.a. den USA, Polen, Belgien, Frankreich und den Niederlanden, eine Sonder- und Begleitausstellung mit Porträts von Überlebenden und Befreiern, einen Schüleraustausch mit Schülern des Goethegymnasiums aus Ludwigslust und Hilversum in den Niederlanden – all das hätte es geben sollen. „Doch aufgrund der Coronavirus-Pandemie kann der 75. Jahrestag nicht wie geplant begangen werden. Sie werden im nächsten Jahr am 76. Jahrestag nachgeholt“, sagt Landrat Stefan Sternberg.

In einer kleinen Runde aber wurde dennoch erinnert und gemahnt. „Das Gedenken verbinden wir mit dem Bekenntnis zur bleibenden historischen Verantwortung. Es darf nicht vergessen werden, wozu Menschen aus ideologischer Verblendung und Rassenwahn fähig waren“, sagt Landrat Sternberg. Gemeinsam mit Ministerpräsidentin Manuela Schwesig und Rolf Christiansen, Landrat a.D. und Vorsitzender des Vereins der Mahn- und Gedenkstätten im Landkreis Ludwigslust-Parchim, gedenkt Landrat Sternberg allen Opfern des Holocaust und mahnt zur Wachsamkeit, „damit all das nie wieder passiert“.

Mit dem Niederlegen von Blumen und stillem Gedenken wird dieses Jahr auch an den Ehrenfriedhöfen in Sülstorf, Wöbbelin, Ludwigslust, im Neu Lüblower Wald und in Hagenow durch Vertreter des Vereins und der Kommunen an die Opfer des KZ Wöbbelin erinnert. Der Landkreis Ludwigslust-Parchim unterstützt seit vielen Jahren die Gedenk- und Erinnerungsarbeit des Vereins Mahn- und Gedenkstätten im Landkreis. Die Gedenkstätten sind Erinnerungs- und Lernorte zugleich. Sie vermitteln Werte wie Freiheit, Gleichheit, Demokratie, Frieden und Toleranz.